Maßnahmenkomplex Graben Stockbrunnen

Ausgangslage
Das Flurbereinigungsverfahren Schrebitz befindet in der Gemeinde Ostrau im Norden des Landkreises Mittelsachsen. In dem 410 ha großen Verfahrensgebiet sind neben dem Ortsteil Schrebitz auch große Feldflächen enthalten. Diese zeichnen sich auf Grund der Lage innerhalb des Mittelsächsischen Lößlehmhügellandes durch einen intensiv genutzten Ackerlandanteil aus, der allerdings durch erhebliche Erosionsschäden beeinträchtigt wird. Dies führte dazu, dass bei Starkregen z.B. erntereife Kartoffeln samt Erde ins Dorf gespült worden sind. Durch die Anordnung des Verfahrens sollen deshalb neben den Kernzielen eines Regelflurbereinigungsverfahrens, die Verringerung erosionsbedingter Schäden, die Vernetzung von Biotopen, sowie eine Funktionsverbesserung von Gewässern und Vorflutern erreicht werden.

Konzept
Im Rahmen der Aufstellung der „Allgemeinen Grundsätze zur zweckmäßigen Neugestaltung des Verfahrensgebietes“ (Neugestaltungsgrundsätze) wurde durch die obere Flurbereinigungsbehörde eine Erosionsstudie in Auftrag geben. Die hieraus hervorgegangenen Planungsschwerpunkte wurden neben den Rahmenbedingungen weiterer Fachbereiche durch die Aufstellung der Neugestaltungsgrundsätze für die Teilnehmergemeinschaft (TG) vorgegeben.
Die TG stellte unter Beachtung dieser Vorgaben und unter Abstimmung mit den Trägern öffentlicher Belange den Plan über die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen nach § 41 FlurbG (Wege- und Gewässerplan mit landschaftspflegerischem Begleitplan) auf. Dieses Planungsinstrument entfaltet nach Genehmigung bzw. Feststellung Konzentrationswirkung und verschafft der TG u.a. das Baurecht.
Der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft entwickelte ein Konzept, wie die vielschichtigen Herausforderungen aus den Neugestaltungsgrundsätzen unter Beachtung des geringstmöglichen Flächenverbrauchs und mit höchstmöglichen Kosten-Nutzen Verhältnis verwirklicht werden können. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zur Biotopvernetzung und Funktionsverbesserung von Gewässern und Vorfluter eingeflochten, so dass diese im Zusammenspiel ihre Wirkung verstärken. Dieser Findungsprozess wurde begleitet von vielen Ortsterminen mit den Bewirtschaftern, Anwohnern und Planern. Im Ergebnis wurden westlich der Ortslage Schrebitz zwei Maßnahmenkomplexe zum Erosionsschutz herausgearbeitet und im Wege- und Gewässerplan fixiert.

Endzustand
Im Bereich des Querwegs wurde auf eine Kombination aus natürlichen und technischen Teilmaßnahmen gesetzt, die in der aufgestellten Gesamtheit ihr Potential um ein Vielfaches steigern. Durch einen Grünstreifen und einen Busch- / Baumsaum soll dem zusammentreffenden Regenwasser die Kraft genommen und abgeschwemmter Boden zurückhalten werden. Mittels eines Rohrdurchlasses wird das Wasser geordnet in das „Regenrückhaltebecken Querweg“ geleitet. Dem rund 300 m³ fassenden Becken ist ein kleineres, leicht beräumbares Absetzbecken vorgeschaltet. Das Regenrückhaltebecken gibt das Wasser gedrosselt an die durch die Ortslage verlaufenden, durch die TG ertüchtigten Rohrleitungen ab. Am Ausbauende wird das Wasser in den Krebsbach, ein Gewässer zweiter Ordnung abgegeben. Die Einleitstelle wurde unter Berücksichtigung der Anforderungen aus der europäischen Wasserrahmenrichtline gestaltet. Im Ergebnis konnte die Gewässerdurchgängigkeit erheblich verbessert werden.
Im Bereich des Maßnahmenkomplexes „Graben Stockbrunnen“ befand sich aufgrund von Geländeverwerfungen bereits eine Grünfläche. Diese wird zum Teil dafür verwendet, um ein weiteres 500 m³ fassendes Regenrückhaltebecken zu errichten. Entlang des Beckens wird ein multifunktionaler Wirtschaftsweg angelegt. Dieser dient der Zuwegung der sonst nur in trockenen Zeiten erreichbaren Grünlandenklave. Außerdem wird er für die Unterhaltung des Bauwerks genutzt.
Im weiteren Verlauf des Grabens werden innerhalb der Ortslage 30 m Verrohrung zurück gebaut. In diesem Bereich wird darüber hinaus auf einer Länge 60 m durch das Anlegen von zwei Aufweitungszonen und dem Einbringen von Störsteinen die Strömungsdiversität erheblich verbessert. Im weiteren Verlauf werden noch 70 m Leitung ausgetauscht, damit diese den geänderten Anforderungen aus hydraulischer und bautechnischer Sicht entsprechen.
Die für die Umsetzung notwendigen Flächen werden im Flurbereinigungsplan von allen Teilnehmern durch einen Abzug aufgebracht. Die bisherigen Eigentümer der Bauflächen werden an anderer Stelle und durch Ausnutzung von Arrondierungseffekten wertgleich abgefunden.

Eingesetzte Finanzmittel
Zur Umsetzung der Maßnahmen sind rund 475 000 Euro veranschlagt. Die TG Schrebitz wird im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“, durch Mittel von Bund und Freistaat Sachsen mit 80 % gefördert. Die verbleibenden rund 95 000 Euro, die sogenannten Eigenleistungen, sind grundsätzlich von der Teilnehmergemeinschaft zu tragen, werden allerdings durch die Gemeinde Ostrau übernommen. Die Kosten für die zugrundeliegenden genehmigungsfähigen Planungen trägt der Landkreis Mittelsachsen als Verfahrenskosten.
